Frühstück – Nötige Energiequelle oder überflüssige Erfindung der Neuzeit?

Frühstück – Nötige Energiequelle oder überflüssige Erfindung der Neuzeit?

Immer mehr Deutsche verzichten unregelmäßig bis hinzu täglich darauf, morgens etwas zu essen. Rund 16% verzichtet häufiger, fast jeder Zehnte verzichtet gar täglich aufs Frühstück. Viele Deutsche haben eigenen Angaben zufolge schlichtweg keine Zeit um regelmäßig zu frühstücken, schon gar nicht zu Hause. Daher nehmen sie sich ihr Frühstück vom Bäcker um die Ecke mit, oder kaufen es im Büro vom Frühstück Lieferservice.

Statista. frühstück nötige Energiequelle

 

Nicht wenige derjenigen, die täglich aufs Frühstück verzichten tun dies jedoch bewusst. Das wirft folgende Frage auf:

Ist das das tägliche Frühstücken Pflicht oder überflüssig?

Es existieren sowohl Stimmen, die der ersten Mahlzeit des Tages die wichtigste Rolle als Energielieferant über den Tag zusprechen, als auch Stimmen, die es für unnötig erachten. Woher stammen diese beiden Positionen und wer hat letzten Endes recht?

„Morgens sollst du essen wie ein Kaiser…“ oder doch eher wie unsere Vorfahren?

Befürworter des Frühstücks begründen die immense Bedeutung der ersten Mahlzeit des Tages damit, dass die am Morgen aufgebrauchten Energiereserven dringend aufgefüllt werden müssten, um schnell Leistung erbringen zu können. Klingt logisch. Mittagessen, Abendessen und Frühstück liefern in Balance regelmäßig Energie – so die Argumentation der Frühstücksbefürworter.

„Frühstücksgegner“ argumentieren genau entgegengesetzt. Evolutionsbiologisch bedingt sei ein ausgiebiges Frühstück zu heutiger Zeit nach wie vor nicht nötig. So greife der menschliche Organismus in der Nacht auf den kurzfristigen Energiespeicher in Leber und Muskeln zurück. Am Morgen setzt er anschließend die Hormone Cortisol und Adrenalin frei und mobilisiert Glucose. Während die Hormone erste Energie zum Aufstehen freisetzen, dient die Glukose als Treibstoff für die Erbringung erster Leistung.

Der Urmensch verfügte weder über einen gut gefüllten Kühlschrank, noch war die Bestellung via Frühstück Lieferservice eine Option. Doch auch ohne moderne „Starthilfen“ ermöglichte der Körpereigene Mechanismus es unseren Vorfahren, mit leerem Magen in den Tag zu starten und Nahrung zu suchen oder zu erlegen, ohne gleich einen Schwächeanfall zu erleiden. Dieser Mechanismus sei auch im heutigen menschlichen Körper noch intakt und mache das Frühstück als wichtigste Mahlzeit des Tages überflüssig.

Warum hat das Frühstück hierzulande dann einen derart hohen Stellenwert?

Es gibt zwei mögliche Gründe, welche dem Sprichwort „Am Morgen sollst du essen wie ein Kaiser…“ doch noch seine Legitimität verleihen.

Zum einen muss unterschieden werden zwischen Menschen, die eher übergewichtig sind und denen, die über einen niedrigen Körperfettanteil verfügen. Wie bereits erwähnt, bedient sich der Körper nachts an den vorhandenen Fettreserven und notfalls eben auch an Muskelgewebe. Letzteres wollen wir vermeiden. Schlanke Menschen sind daher ohnehin gut beraten gleich am Morgen wieder Reserven aufzubauen. Ein ausgiebiges Frühstück hilft hierbei.

Doch nicht nur Menschen mit schlanker Statur können vom regelmäßigen Frühstück profitieren. Gleich mehrere Studien bescheinigen der ersten Mahlzeit des Tages unabhängig voneinander einen positiven Einfluss auf das Herzkreislaufsystem und dem allgemeinen Wohlbefinden.

Begründet wird dies mit der „regulierenden Wirkung“ von regelmäßigem Frühstück. Verzichte man morgens auf das Frühstück, so führe dies zu einem stärkeren Hungergefühl am Mittag und potenziell zu Heißhungerattacken, die nicht selten zu Süßigkeitenverzehr als Ersatzenergiequelle führen.

Beides in Kombination – ein leerer Magen am Morgen und anschließend ein prall gefüllter Bauch am Mittag – sei auf lange Sicht ungesund. Eine regelmäßige Nahrungsaufnahme hingegen hält den Körper im Gleichgewicht, was noch verstärkt für Kinder im Wachstum gelte. Ein erwachsener Mensch, der abnehmen möchte, solle lieber die aufgenommene Nahrungsmenge über den gesamten Tag verteilt senken, anstatt auf Frühstück zu verzichten.